Wie dem Weltgeist, der fürchterlichen Liebe Gottes, entkommen?

Wie dem Weltgeist, der fürchterlichen Liebe Gottes, entkommen?

Wie dem Weltgeist, der fürchterlichen Liebe Gottes entkommen?
Den Völkern und den Menschen geschah in der Weltgeschichte immer das, was sie waren. Nicht indem wir die Geschichte als ein blindes ungeschichtliches Geschehen auffassen, in der eine Spur von Vernunft zu finden ist, sondern indem wir die Vernunft auch im Verbrechen der Weltgeschichte denken, treten wir aus der Weltgeschichte heraus. Die Hegelsche Philosophie wird uns weiterhin zeigen, dass das nicht billiger zu haben ist und das der philosophische Schwachsinn unserer Zeit DIE GEFAHR SCHLECHTHIN unserer Zeit ist. Die Nationen sind immer noch in ihr Interesse „vertieft“. Ihre Konzentration in sich selbst ist codem actu das Anziehen des Geistes als wirkliche Welt. Die Geschichte ist ein einziger Beleg für die Wahrheit der Stelle bei Hegel, an der er die Superlative, die er dem Staat als Staat gegeben hat, wieder zurücknimmt. Die Vertiefung in ihre eigenen Interessen macht die Nationen zu bewusstlosen Werkzeugen des Weltgeistes. Dass die Menschen darin AKZIDENTIEN sind, ist ihr eigenes Tun. Es ist so ihr eigenes freies Tun, wie nur ein freier Wille sein kann. Am Ende des 2. Weltkrieges erzählten sich Soldaten den „Witz“, Hitler sei vor Stalin getreten und habe gemeldet: „Befehl ausgeführt.“ Diese Figuren arbeiteten sich nicht nur bei der Aufteilung Polens in die Hände, sondern während des ganzen Krieges. Wenn Churchill – auf anderer Ebene – es für richtig hielt, das deutsche Volk bis zur bedingungslosen Kapitulation zu bekämpfen, wenn aus diesen und anderen Gründen jede echte Opposition gegen Hitler ignoriert, ja mit Hohn und Spott übergossen wurde, so war diese Vertiefung in die eigenen Interessen das Sich-zum-Werkzeug-des-Weltgeistes-Machen. Indem man den anderen nicht als Zweck, sondern als Mittel gebraucht, macht man sich selbst zum Mittel des Geistes feindlicher Welt. Der Wille Gottes geschieht immer. Ob er in der Form des Weltgeistes oder des absoluten Weltgeistes geschieht, das ist in unsere Freiheit gestellt. Die Musik Bachs in der Matthäuspassion weiß etwas von dem Schrecken, in solchen Texten wie:

„Was mein Gott will, das g’scheh allzeit,
Sein Will der ist der beste“

Bei uns Menschen liegt, die wir durch den Weltgeist vom absoluten Geist entfremdet sind. Die Geschichtskonzeption, nach der für alle Menschen immer das geschieht, was für sie das beste ist, erscheint uns mit Notwendigkeit so lange „unvernünftig“, wenn nicht geradezu verbrecherisch, als wir noch weltgeschichtlich existieren. Solange das unser in Freiheit beibehaltener Bewusstseinsstand ist, unsere gesellschaftliche Wirklichkeit, dürfen wir nicht erwarten, dass Gott uns die Weltgeschichte erlassen würde. – Nach Bruno Liebrucks, Sprache und Bewusstsein, Vol.3. Frankfurt a.M., 1966.

 

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