Aldar-Kösse und sein Wundermantel

Aldar-Kösse und sein Wundermantel

Wie Aldar-Kösse, der kasachische Trickster, seinen Wundermantel für den Fuchspelzmantel und das Pferd eines ihm auf einer Winterreise unerwartet begegnenden Fürsten, umtauschte.

Draußen war es bitterkalt. Aldar-Kösse war in der Steppe unterwegs. Er trug nur einen durchlöcherten Pelz und fror jämmerlich. Seine Nase hatte sich blau gefärbt. Kalte Schauer liefen ihm über den Rücken. Er träumte von seiner warmen Jurte. Aber der Weg, der ihm bevorstand, war noch weit und sein altes Pferd so mager und müde, dass es nur langsam vorankam.

  Mit einem Mal sah er einen Reiter nahen. Sein Pferd trabte zügig dahin. Aldar-Kösse vermutete, dass es sich um einen reichen Fürsten handelte. Sofort schlug er seinen löchrigen Mantel zurück und begann ein lustiges Lied zu singen.  Die Reiter begrüßten einander. Der Fürst hatte einen dicken neuen Fuchspelz an. Weil er aber Stein und Bein fror, fröstelte ihn selbst in dem warmen Mantel. Aldar-Kösse aber tat, als wäre ihm heiß. „Frierst du nicht?“ fragte verwundert der Fürst. Der listige Aldar-Kösse verneinte. „Ich habe einen wunderbaren Pelz, der mich vor jedem Frost schützt.“ – „Er hat doch aber Loch an Loch“, entgegnete der Fürst. „Wie kann er dich da warmhalten?“ – „Das ist gerade das Geheimnis“, sagte Aldar-Kösse. „Durch das eine Loch kommt die Kälte herein, durch das andere fliegt sie wieder hinaus, und so bin ich vor ihr sicher.“ – „Diesen Mantel muss ich haben“, nahm sich der Fürst vor. Aldar-Kösse aber dachte: „In dem Fuchspelz wäre mir bestimmt nicht mehr kalt.“
„Verkauf mir deinen Mantel“, sagte der Fürst. – „Das geht nicht“, erwiderte Aldar-Kösse. „Dann würde ich ja frieren wie du.“ – Du bekommst dafür meinen Fuchspelz“, sprach der Fürst. „Er hält schön warm.“ – Nein, nein!“ rief Aldar-Kösse. „Mein Pelz war sehr teuer.“ – Ich gebe dir außerdem noch Geld“, sagte der andere. – „Geld brauche ich nicht“, erklärte Aldar-Kösse mit gleichgültiger Miene. „Schlag noch dein Pferd dazu, dann dürfte der Tausch gerecht sein.“ Der Fürst war es zufrieden. Er überließ Aldar-Kösse Pelz und Pferd und zog den durchlöcherten Mantel an. Aldar-Kösse hüllte sich in das warme Fuchsfell, stieg in den Sattel und trabte munter von dannen.
 
Zu Hause angekommen, erzählte er seinen Nachbarn von dem Tauschgeschäft. Noch lange lachten sie über die Dummheit des Fürsten.
— Die Originalfassung leicht bearbeitet von Roland Lukner.

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