Till Eulenspiegels kuriose Trauerfeier.

Till Eulenspiegels kuriose Trauerfeier.

94. Wie es nach Till Eulenspiegels Tod bei seiner Totenfeier zuging.

Nachdem Eulenspiegel seinen Geist aufgegeben hatte, kamen Leute in das Hospital, die ihn bekleideten und ihn im Sarg auf die Totenbahre aus Holzbrettern setzten. Als die Pfarrer kamen und gerade anfangen wollten, ihm die Totengebete zu singen, da kam die Sau des Hospitals mit ihren Ferkeln daher, ging unter die Totenbahre und begann, sich daran zu kratzen, sodass Eulenspiegel von der Bahre fiel. Die Frauen und der Pfarrer wollten die Sau und ihre Ferkel zur Tür hinausjagen, aber die Sau wurde fuchtig davon und wollte sich nicht vertreiben lassen. Die Sau und ihre jungen Ferkel rannten überall im Hospital umher, liefen und sprangen über die Pfarrer, die Beginen, die Kranken, die Gesunden und den Sarg, in dem Eulenspiegel lag. Bei alldem erhob sich ein derart lautes Gekreische und Geschrei von den Beginen, dass die Pfarrer die liturgischen Geräte stehen ließen und mit den Schwestern zur Tür hinausliefen. Schließlich gelang es den anderen, die Sau und die Ferkel zu verjagen.
Da kamen die Beginen und legten den Sarg wieder auf die Totenbahre. Dabei kam Eulenspiegel verkehrt zu liegen, sodass er den Bauch gegen die Erde und das Hinterteil nach oben kehrte. Als die Pfarrer weggingen, sagten sie, wenn die Beginen ihn begraben wollten, so würden sie es gern geschehen lassen; sie aber kämen nicht wieder. Deshalb nahmen die Beginen Eulenspiegel und trugen ihn auf den Kirchhof verkehrt, auf dem Bauch, so wie er lag, als der Sarg nach dem Sturz von der Bahre umgedreht worden war. Und so setzten sie ihn am Grab nieder.
Da kamen die Pfarrer doch noch zurück und besprachen, welchen Rat sie zu geben hätten, wie man ihn begraben sollte. Er könne ja nicht wie Christenmenschen im Grab liegen. Dabei bemerkten sie, dass der Sarg umgedreht war, dass also Eulenspiegel im Sarg auf dem Bauch lag. Da lachten sie und sagten: „Nun, er zeigt ja selber an, dass er verkehrt liegen will. Den Gefallen wollen wir ihm denn tun!“
--- Aus dem Urtext ins Neuhochdeutsche übertragen von Roland Lukner.

 

 

 

 

 

 

0 Shares