Moralismus ( = globale Profitmaximierung und Gewalt) vs. moralischer Realismus ( = Liebe und Wahrheit)

Moralismus ( = globale Profitmaximierung und Gewalt) vs. moralischer Realismus ( = Liebe und Wahrheit)

Moralismus ( = globale Profitmaximierung und Gewalt) vs. moralischer Realismus ( = Liebe und Wahrheit)

Wenn Moralisten und Realisten aufeinandertreffen, verfahren die Moralisten nach dem Dogma der mittelalterlichen Kirche, nach dem nicht sein kann, was nicht sein darf. Die Realisten hingegen versuchen, die konkreten Widersprüche herauszustellen und Lösungen durch Liebe und Wahrheit zu finden. Da die Moralisten bereits die Realitätsbeschreibung ablehnen, ist eine Auseinandersetzung über Lösungen unmöglich.
Auf der Seite der Moralisten finden sich folgerichtig alle Theoriebausteine der Postmoderne, nach der die Realität gar nicht existiert, sondern nur die Folge von Interpretationen ist. Eine solche Theorie eignet sich hervorragend für die Behauptung, dass bestimmte Realitätsbeschreibungen überhaupt erst die Realität hervorbringen. Dem könnten die Realisten den ältesten aller philosophischen Einwände entgegenhalten, dass Realität ebendas ist, was nicht verschwindet, wenn man es sich wegwünscht. Ein sich denkend reflektierender Realismus wird nicht den falschen Schluss der Postmoderne ziehen, wonach es überhaupt keine Realität jenseits der Beschreibung gibt. Eine realistische Moral erkennt an, dass jedes Urteil seine Bedingungen in den konkret widersprüchlichen Lebensverhältnissen hat.
Nur die Selbstreflexion kann Auswege aus den Sackgassen des Fundamentalismus finden. Das Problem liegt sowohl im Bereich der Ethik, die ihre Kraft des Universalismus eingebüßt hat, wie auch in den alltäglichen Anwendungen der Moral, die allzu oft nichts als Moralismus sind.
Der Auseinandersetzung zwischen den Moralisten und Realisten führt somit notwendigerweise in die Katastrophe, da er ja jeden Widerspruch in eine tragisch-schwärende Situation verwandelt. Die Abwendung der Tragödie ist seit jeher Aufgabe des Denkens, das versucht, sich über seine eigenen Bedingungen Rechenschaft abzulegen. Die wichtigste Funktion des sich reflektierenden Denkens besteht darin, die konkreten Widersprüche der Realität zu Fragen zu machen und sie durch Liebe und Wahrheit. Ob dieser Auftrag genügend Menschen findet, die gegen die Fundamentalismen der Postmoderne aufstehen, wird für die weitere Entwicklung der Menschheitsfamilie entscheidend sein.

Nach Bernd Stegemann, „Die Moralfalle“. Matthes & Seitz Berlin, 2018.

 

 

 

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