Theodor Fontane: erster literarischer Künstler der seelischen Immanenz („Interiority“):

Theodor Fontane: erster literarischer Künstler der seelischen Immanenz („Interiority“):

– Entdecker des Begriffs Achtsamkeit und somit der psychologischen Wahrheit:

„Fontanes Erzähler ist kein ‚allwissender‘, ‚auktorialer‘ Erzähler, sondern ein ‚beobachtender Erzähler‘, der seine Figuren selbst sprechen lässt. Dadurch wird eine Deutungsoffenheit erzeugt“. „Was der Mensch tut, ‚gehört ihm nur zum Teil‘“.
Richard Moritz Meyer würdigt Fontane in seiner GESCHICHTE DER DEUTSCHEN LITERATUR DES 19. JAHRHUNDERTS des Jahres 1900 als wichtigsten Begründer des realistischen Gesellschaftsromans in Deutschland, dessen Erzähler ein Beobachter und Lernender sei, was Fontane zu einem großen Bahnbrecher mache, der nur in der Neuzeit zu Hause sei. Meyer: „Er will lernen.“ Er lasse seine Figuren quasi selbständig in einem Problemzusammenhang wie in einer Versuchsanordnung operieren, was seine Gesellschaftsromane zu modernen Experimentalromanen mache.
– Entdecker der Geschichtlichkeit der Seele:
„…während sich realistische Romane immer auf allgemein geteilte Wirklichkeitsannahmen, Normen und ‚Selbstverständlichkeiten“ beziehen müssen, um als Realitätsillusion zu wirken, ist es nach Fontane nicht die unwichtigste Aufgabe der Kunst, diese Realitätsannahmen zugleich als historische und damit veränderliche auszuweisen.“

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