EIN SELBSTGESPRÄCH ÜBER SINN UND UNSINN DES GELDMACHENS.

EIN SELBSTGESPRÄCH ÜBER SINN UND UNSINN DES GELDMACHENS.

Ich: Franz Löher schreibt in „Die deutschen Auswanderer der gebildeten Stände in Nord-Amerika“ (1853): „Der heiße Geschäftsdrang, das unaufhörliche Marktgewühl wird widerwärtig; die nackte, rohe Selbstsucht in der Politik, die grandiose Heuchelei im religiösen Leben tritt hervor; man empfindet das Unfreudige und streng Einförmige und Einseitige des amerikanischen Charakters; man merkt den Mangel tieferen geistigen Lebens, die Seltenheit wahrer Bildung bei aller äußeren Politur.“ Was denkst du über Löhers Analyse des amerikanischen nationalen Charakters? Alter-Ich: Die Analyse wäre auf die heutige Zeit sogar nahtlos übertragbar und würde genau den Zeitgeist beschreiben. Ich: Es geht wohl primär ums Hinaufklettern auf der ungeistigen, rein materiellen sozio-ökonomischen Leiter, die ja oben offen ist, nicht wahr? Wobei es auch darum geht, das so schnell wie möglich zu verwirklichen. Die Leute glauben, dass das alle so wollen und man um den einen Preis da oben gegeneinander konkurrieren, kämpfen muss, wie immer man sich das vorstellt. Oder ist da noch etwas anderes? Vielleicht der Calvinistische Glaube, dass Reichtum einen vor Gott auszeichnet und man dadurch zum ewigen Leben auserwählt worden ist? Die es nicht schaffen sind minderwertig vor Gott. Da ist halt nichts zu machen. Sich für diese Inferiore einzusetzen, macht für sie nach Calvin keinen Sinn. Der Zweck heiligt das Mittel. Oder? Alter-Ich: Wenn dieser Text schon damals sehr passend das Zeitempfinden beschrieben hat und sich bis heute es eher noch deutlicher darstellt, bedeutet es dies nicht auch, dass Amerika, welches diese Kräfte verkörpert, nicht auch bestimmend abstrahlend die ganze Welt erfasst hat und es nicht schon immer so war? Ich: Auf jeden Fall in der Moderne, nicht wahr? Gehört Calvin nicht auch bereits zur Moderne, die mit der „Entdeckung“ der Neuen Welt mit der Neuzeit losging? War die Gewalt und Macht für das Christentum durch den gewalttätigen Monotheismus nicht von eh und je vorgegeben? Alter-Ich: Merkwürdig wie es Stammeshäuptlinge und ihre Medizinmänner geschafft haben, ihre Gruppen immer vor den eigenen Karren zu spannen und es sehr wenigen um das Volk an sich ging. (Wohl deswegen, weil sie noch Zugang zu ihren Stammesahnen hatten, an deren Weisungen sie sich ihres Bestandes wegen zu halten hatten.) An einem anderen Beispiel aus der jüngsten Zeit, jetzt aber einer ausschließlich vom Ich bestimmten, habe ich es auch bemerkt, dass es immer irgendwie gelingt, das Volk an der Nase herumzuführen, um eigene Zwecke zu verfolgen. Zum Beispiel, Musikfestspiele, die plötzlich in der DDR nach der Wende von 1989 wie Pilze aus den Böden schossen. Da sind in Mecklenburg-Vorpommern irgendwelche Gutsherren zurück auf ihr Land und haben dann hochkarätige Leute mittels ihrer Börse für Musiken in einer Scheune herbei geholt – da ging es nicht um Musik – da ließen sie sich und ihre Exklusivität feiern. Sie haben es in die Neue Welt schon mitgebracht – wie eine Infektion. Woher kam all das viele Geld und woher kamen all die gepreßten Soldaten und wie wurde es ihnen schmackhaft gemacht, sich ein Gelobtes Land zu suchen, wie Moses und sein Volk? Ich: Das erinnert mich sehr an den Streich, den Till zusammen mit einem Seminaristen im Lande Pommern als Wanderprediger mit dem Totenkopf des Sankt Brandan als Reliquie vollbrachte und steinreich wurde. (31.Historie.) Das war schon in der Neuzeit. – Ich glaube es geht in dem Ganzen um mehr als bloß das Geld. Was könnte es bloß sein? Alter-Ich: Es geht um Werteausgleich, Gerechtigkeit. Wie Energiemengen, die immer gleich bleiben, ausgeglichen werden müssen und nach Harmonie streben. Ich: Welche Rolle spielt das menschliche Bewusstsein in all dem? Was ist das Wesen des Tricksters? Alter-Ich: Das mag zuerst mit dem Geld gelungen sein, doch da es eine Erfindung und abstrakt ist, also nicht natürlich, konnte getrickst werden, mit Geisterchen, die nicht so schnell oder die nicht so reich gesegnet waren oder was auch immer. Einem Kind kann man viel erzählen, es glaubt Erwachsenen in einem gewissen Alter noch alles. Ich: Was stellt das Tricksterhafte dar? Was bewirkt es? Alter-Ich: Beziehungen; soziale Bindungen und Normen spielen eine Rolle, wie sich das Individuum zunächst auf die Welt bezieht, bis es aus den Fehlern lernt. Das kann aus Mißverständnissen geboren worden sein, oder aus Mangelentwicklungen; siehe kriminelle Energien. Ich: Bringt der Trickster nicht Bewegung in das Status-quo-Bewusstsein? Alter-Ich: Ja. Weil sich alles in Bewegung setzt, wenn der Ausgleich auf sich warten läßt. Ja! Und wenn der Ausgleich stattfand, das nächste Bedürfnis nach sich zog. Ich: Es geht also nicht um die Anhäufung des Geldes an sich, des Kapitals, sondern um die Fortbestimmung des Bewusstseins! Welch ein Missverständnis! – Damit wäre die Nuss geknackt, nicht wahr? Alter-Ich: Richtig! Das eigentliche Kapital ist der Geist, mit dem der Mensch ausgestattet ist. Heureka! Ich: Genau das ist es! Die Geistes- bzw. die Bewusstseinsentwicklung ist das eigentliche Kapital des Menschen, nicht letztlich das Geld. Siehe da! Der historische, „tote“ Trickster in der Gestalt des Till Eulenspiegels, den meine Liebeszuwendung berührte, zeigt sich und lässt grüßen! Alter-Ich: Die Welt wäre so reich!! Soviel Kapital liegt brach und versandet in den Epochen und bringt sich gar um das Leben selbst. Ich: Das ist die Wirkung der Fortbestimmung im Bewusstsein der Liebe. Ihr eröffnet sich die Wahrheit, und die Wahrheit macht geistig frei! Nur die Wahrheit befreit den Geist. Alter-Ich: Das war ein Gedanke des Kommunismus. Die Maschinen entlasten den Menschen um die Sorge der täglichen Aufwartung und die Menschen können sich dem zuwenden, was ihnen als geeignet erscheint, sich und ihre Persönlichkeit zum Wohle des Ganzen zu entwickeln. Wirtschaftlich wäre es jetzt soweit – doch die Liebe droht auf der Strecke zu bleiben. Die das Geld verwalten, lieben nicht die Menschheit; sie könnten es, wenn sie nicht vom Geld selbst besessen wären. Ich: Allerdings! Auf diese Weise brächte die Entwicklung der Geschichte einen Fortschritt – nicht der Liebe, sondern im Bewusstsein der Liebe, wie auch im Bewusstsein der geistigen Freiheit. Es ist ein Fortschritt nicht positiver, also materiell-geldlicher, nicht ontologischer Natur, sondern ein rein psycho-LOGISCHER, sich in uns erinnernder.

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