Medizinische Praxis in Amerika

Medizinische Praxis in Amerika

Medizinische Praxis in Amerika

Im Interesse der pharmazeutischen Industrie sehen hier die Ärzte ihre Patienten ausschließlich als biologische Körper, zumeist auf der Computerscheibe. Der Patient wird als blackbox einer Reihe von medizinischen High-Tech-Test unterworfen, um den Befund zu erstellen. Die Erläuterung desselben wird dem Patienten häufig vorenthalten, es sei denn der Patient insistiert darauf. Vielleicht haben selbst viele Ärzte Schwierigkeiten, mit deren Interpretationen. Da der ausschließliche Bezug auf die Biologie den Menschen nicht heilt, müssen die generischen, wirkungsschwachen, aber mit hohen Gewinnspannen verschriebenen Arzneien in den meisten Fällen lebenslang eingenommen werden, was der pharmazeutischen Industrie zum Vorteil gereicht. Wegen der geringen Profitspannen führen die Apotheken keine Markenarzneien mehr.
Die Praktiken der Psychotherapeuten und Psychiater sind ebenfalls biologisch fundiert und sind auf generische chemische Substanzen angewiesen. Auch diese müssen lebenslang eingenommen werden, da sie nur biologisch, nicht seelisch, wirken können. Der Mensch wird als geistloses, pneumaloses Wesen behandelt. Die Wörter Nous, noetisch sind unbekannt; die Naturwissenschaft kennt sie nicht. Das Wort „spirit oder spiritual“ ist geläufig, das sich jedoch auf Göttliches, also auf Obsoletes, historisch Abgestorbenes bezieht. Die Ärzte hier lesen kaum humanistische Literatur, wenn überhaupt, nur naturwissenschaftliche Studien. Sie sind mehrheitlich absolute Banausen und geistesgeschichtliche Ignoranten. Sie sind zu beschäftigt, ihren Job zu halten und Geld zu verdienen.
Die Naturwissenschaften gelten hier als die letzte Instanz jeglicher Weisheit. In der konkurrenzbestimmten Gesellschaft geht es um Selbstschutz über alles. Jeder ist für sich und keiner für den anderen. Nur die Schwestern lernen den Patienten als Menschen näher kennen, doch sie haben nichts zu sagen, wollen es auch nicht aus Selbstschutz.  In der durch und durch legalistischen Gesellschaft gibt es keine Gespräche auf Augenhöhe, nur „small talk“, wenn überhaupt, da der Patient legalistisch eine potentielle Gefahr für den Arzt darstellt.
Die Eindrücke bekommen diese Konturen, wenn z.B.die Positionen beider Seiten bekannt sind, weil sie erlebt werden mussten. Erlebt wird dann, dass die Hierarchien in Krankenhäusern und ähnlichen Einrichtungen die Hierarchien ihrer jeweiligen Administrationen und deren Geist widerspiegeln. Da hat man dann die ganze Kette vom schwächsten Glied bis zum stärksten zu betrachten. Solche soziale Gefüge unterliegen einer Ordnung, die der Finanzierung und Profitmaximierung unterworfen sind. Diese sind bestimmend. Überall, aber auch überall, geht es letztlich einzig und allein um die Profitmaximierung und nichts Anderem. Sie bestimmt das Sein oder Nichtsein jedes Unternehmens oder jeder Dienstleistungseinsrichtung in der gegenwärtigen halsabschneiderischen globalisierten Ökonomie.

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