Liebe vs. Geist des Geldes: Sex und Raub

Liebe vs. Geist des Geldes: Sex und Raub

„Denn wer da hat, dem wird gegeben, daß er die Fülle [Pleroma] habe; wer aber nicht hat, von dem wird auch das genommen was er hat. „(Matthäus 13, 12.)

In der Liebe wird erfahren, dass das himmlische Brot durch Verzehren vermehrt wird. In der Liebe sind Nehmen und Geben nicht Gegenteile, die einander ausschließen, wie in der Welt der Objekte. In der Liebe ist Nehmen zugleich Geben und Geben zugleich Empfangen. So spricht auch Julia in Shakespeares „Romeo und Julia“:
„…die Liebe
So tief ja wie das Meer. Je mehr ich gebe,
Je mehr auch hab ich; beides ist unendlich.“ (2. Aufzug, zweite Szene).
Die Gegenwelt, der Kampf zweier Familien, macht solcher Unendlichkeit auf dieser Welt den Garaus. Romeo und Julia, wie auch schon früher Paris und Helena, sind Marionetten in der Welt der Macht und des Geldes. Romeo weiß, dass der Apotheker für den Gifttrank schlimmeres Gift empfängt, nämlich Geld. Dieses wird weiterlaufen, zwischen die Menschen hin, die Gegenwelt der Liebe, deren Signatur in der Trennung von Haben und Sein besteht, fixieren. Diese Logik, die nicht Geist ist, sondern „das Geld des Geistes“, besteht in der Leugnung der Wirklichkeit des Widerspruchs im Geben und Nehmen der Liebe. Die Versöhnung der beiden Familien am Schluss des Stückes wirkt deshalb wie Hohn, weil sie mit der Vertreibung der Wahrheit aus dieser Welt bezahlt ist. Die Versöhnung kann es nur geben, wenn aufgenommen ist, was das ist: die Feindschaft der beiden Familien und die Liebe von Romeo und Julia.
Zur Erhabenheit der Liebe von Romeo und Julia gehört die feindliche Welt, die um sie herumsteht. Aber von einer Erhebung dieses Wissens ins Bewusstsein ist keine Rede, weder in einem Einzelbewusstsein noch in dem der bestehenden Gesellschaft. So mündet die Handlung in die Tragödie. Die Aufhebung der Tragödie in die Richtung des bewusst-menschlichen Umganges von Menschen mit Menschen ist Arbeit der Welt- und Menschheitsgeschichte.

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