Der Universalkommunikator Tod: Leben, Tod und Sterben des Tricksters Till Eulenspiegel

Der Universalkommunikator Tod: Leben, Tod und Sterben des Tricksters Till Eulenspiegel

Und wie eines Menschen Leben ist, so ist auch sein Ende. Seine Mutter wurde benachrichtigt, dass er krank sei. Die war bald reisefertig, kam zu ihm und glaubte, von ihm Geld zu erhalten, denn sie war eine alte arme Frau. Als sie zu ihm kam, weinte sie und fragte: „Mein lieber Sohn, wo bist du krank?“ Eulenspiegel antwortete: „Liebe Mutter, hier zwischen der Truhe und der Wand.“ – „Ach, lieber Sohn, sag mir doch ein süßes Wort!“ Eulenspiegel sprach: „Liebe Mutter, Honig, das ist ein süßes Wort.“ Die Mutter bat: „Gib mir deine süße Lehre, bei der ich deiner gedenken kann.“ Eulenspiegel sagte: „Ja, liebe Mutter: Wenn du deine Notdurft verrichten musst, dann dreh den Arsch vom Winde weg, so kommt dir der Gestank nicht in die Nas.“ Die Mutter bat ihn weiter: „Lieber Sohn, gib mir doch etwas von deinem Gut!“ Eulenspiegel sprach: „Liebe Mutter, wer nichts hat, dem soll man geben, und wer etwas hat, dem soll man etwas nehmen. Mein Gut ist verborgen, sodass niemand davon weiß. Findest du etwas, dass mein ist, so kannst du es nehmen. Ich gebe dir doch von meinem Gut alles, was schlecht und recht ist.“

Reue und Schmerz sollte der todkranke Eulenspiegel wegen seiner Sünden empfinden, damit ihm das Abendmahl gespendet werden könne, und er desto süßer sterben möge, sagte ihm eine alte Begine eine Laienschwester. Ihr erwiderte Eulenspiegel: „Süß sterben werde ich nicht, weil der Tod bitter ist. Und warum soll ich im Geheimen beichten? Was ich in meinem Leben vollbracht habe, das ist vielen Leuten und Landen bekannt. Wem ich etwas Gutes erwiesen habe, der wird es sicher weitererzählen. Habe ich einem etwas Böses getan, der wird es trotz meiner Reue nicht verschweigen.

Nachdem Eulenspiegel seinen Geist aufgegeben hatte, kamen Leute in das Hospital, die ihn bekleideten und im Sarg liegend auf die Totenbahre aus Holzbrettern setzten. Als die Pfarrer kamen und gerade anfangen wollten, ihm die Totengebete zu singen, da kam die Sau des Hospitals mit ihren Ferkeln, ging unter die Totenbahre und begann, sich daran zu kratzen, sodass der Sarg mit Eulenspiegel von der Bahre fiel. Die Frauen und Pfarrer wollten die Sau mit den Ferkeln zur Tür hinausjagen, aber die Sau wurde wild davon und wollte sich nicht vertreiben lassen. Die Sau und ihre jungen Ferkel rannten überall im Hospital umher, liefen und sprangen über die Pfarrer, die Beginen, die Kranken, die Gesunden und den Sarg, in dem Eulenspiegel lag. Bei alledem erhob sich ein Gekreische und Geschreie von den Beginen, sodass die Pfarrer die liturgischen Geräte stehen ließen und mit den Schwestern zur Tür hinausliefen. Doch zu guter Letzt gelang es den andern, die Sau mit den Ferkeln zu verjagen.
Die Beginen erschienen nun und legten den heruntergefallenen Sarg in ihrer Aufregung verkehrt auf die Totenbahre zurück. Und als es Zeit war den Sarg auf den Kirchhof zu tragen, nahmen sie ihn und setzten ihn auch am Grab unwissentlich verkehrt nieder.
Die Pfarrer kamen ebenfalls zurück und besprachen, welchen Rat sie zu geben hätten, wie man ihn begraben sollte. Er könne ja nicht wie die anderen Christenmenschen im Grab liegen. Dabei bemerkten sie, dass Eulenspiegel verkehrt im Sarg lag, also mit dem Bauch nach unten. Da lachten sie und sagten: „Er zeigt ja selber an, dass er verkehrt liegen will. Den Gefallen wollen wir ihm tun!“

Bei Eulenspiegels Beerdigung ging es gleich einem Wunder zu. Als alle auf dem Kirchhof um den Sarg standen, in dem Eulenspiegel lag, legten sie den Sarg auf die beiden Seile und wollten ihn in das Grab hinablassen.Da riss das Seil, das am Fußende war, und der Sarg schoss in das Grab, sodass Eulenspiegel in dem Sarg auf die Füße zu stehen kam. Da sprachen alle, die dabeistanden: „Lasst ihn stehen, denn er ist ein Wunder gewesen in seinem Leben, so will er auch in seinem Tode sein!“Also warfen sie das Grab zu und ließen ihn aufrecht auf den Füßen stehen. Man setzte ihm bei Zeiten einen Stein oben auf das Grab. „Disen Stein sol nieman erhaben, hie stat Ulenspiegel begraben. Anno domini M.CCC.L. Jar.“

ANMERKUNG: Der literarische Niederschlag der Vision, genau: einer Anti-Vision zu der des naturwissenschaftlichen Zeitgeistes, des immer noch nicht endgültig namentlich identifizierten Verfassers, war wohl die einzige, die den artifiziellen westlichen Lebensrahmens erkannte und dichterisch gestaltete. In der Tat, er war ein Meister der Tarnung. Das heißt, sein Werk war schon zu seiner Zeit ein äußert heißes Eisen! Der Protagonist der Dichtung “Ein kurzweiliges Buch von Till Eulenspiegel aus dem Lande Braunschweig. Wie er sein Leben vollbracht hat.“ hat es verstanden, sein Leben frei von der materiellen Vorgabe zu verwirklichen: ein wahrlich authenisches menschliches Leben.  Derartig musste man schon zu Beginn der Neuzeit als Außenseiter, das heißt, als Trickster sich durchzuschlagen verstehen, ein Leben, das von der Mitwelt durch allerlei Gefährdungen nicht verschont blieb. – Das historische Geschehen jener “Entdeckerzeit” allerdings entschied sich entgültig für die naturwissenschaftliche Vision, die aber das Geist-Seelische konsequent ausschloss! Heute sind wir alle Insassen in dem von den Naturwissenschaften künstlich präparierten Lebenskonstrukt. Die Naturwissenschaften leiten ihre Autorität von der Überzeugung ab, dass sie auf der Grundlage der Wahrheit beruhen. Es ist inzwischen offensichtlich geworden, dass dem nicht so ist. Die Naturwissenschaften haben es zwar mit Wahrscheinlichkeit, Voraussagbarkeit und Zuverlässigkeit des Verhaltens der Materie zu tun, nicht aber mit der lebendigen Wahrheit, die sich weder automatisieren noch abstrahieren lässt. Das heißt, ein menschliches Leben, das sich nach den naturwissenschaftlichen Strukturen und Erkenntnissen gestaltet, ist kein menschliches Leben mehr, sondern ein maschinelles Ding.
Hilters biologische Modell von Blut und Boden, mit dem er die kranke Zivilisation, fußend auf den biologisch-medizinischen Erkenntnissen seiner Zeit gesunden wollte, schlug eben deshalb fehl. Materie und Geist/Seele sind zwei absolut unterschiedliche Kategorien, die sich nie berühren, wobei die letztere Kategorie die eigentlich wesentliche ist. Da sich nun die biologische Medizin seitdem zum DNA-Modell weiter entwickelt hat, ist plötzlich wieder die alte Hoffnung entfacht, dass dieser Weg doch noch fruchten könnte und die U.S. Bundesregierung Millionen in die Vanderbilt University für Forschung und Entwicklung  zu stecken vorhat. Alle daran Beteiligten, sind voller Begeisterung und heller Freudet! Vielleicht mehr des Geldes und erwarteten Aufschwungs wegen. Ihre Hoffnung jedoch, das DNA-Modell sei der Zauberstab, wird sich nicht erfüllen. Denn immer noch ist der absolute Unterschied zwischen den beiden Kategorien nicht erkannt worden, und dass man ohne Geist/Seele nur zur Maschine gelangt, nicht zum Menschsein.
Gibt es für den Abendländer, den westlich zivilisierten Menschen noch einen Weg aus dieser Weltsträflingszelle in die menschlich-geistige Freiheit?
— Roland Lukner.

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