Human-Divine Act of Creation

Human-Divine Act of Creation

  1. Der unsichtbare Schöpferakt des Menschen.
    „Von Nairobi aus besuchten wir mit einem kleinen Fordwagen die Athi Plains, ein großes Wildreservat. Auf einem niedrigen Hügel in dieser weiten Savanne erwartete uns eine Aussicht sondergleichen. Bis an den fernsten Horizont sahen wir riesige Tierherden: Gazellen, Antilopen, Gnus, Zebras, Warzenschweine usw. Langsam strömend, grasend, die Köpfe nickend bewegten sich die Herden – kaum dass man den melancholischen Laut eines Raubvogels vernahm Es war die Stille des ewigen Anfangs, die Welt, wie sie immer schon gewesen, im Zustand des Nicht-Seins; denn bis vor kurzem war niemand vorhanden, der wusste, dass es ‚diese Welt‘ war. Ich entfernte mich von meinen Begleitern, bis ich sie nicht mehr sah und das Gefühl hatte, allein zu sein. Da war ich nun der erste Mensch, [Adam], der erkannte, dass dies die Welt war und sie durch sein Wissen in diesem Augenblick erst wirklich erschaffen hatte.
    Hier wurde mir die kosmische Bedeutung des Bewusstseins überwältigend klar. ‚Quod natura relinquit imperfectum, ars perficit‘ (was die Natur unvollständig lässt, vervollständigt die Kunst), heißt es in der Alchemie. Der Mensch, ich, gab der Welt in unsichtbarem Schöpferakt erst die Vollendung, das objektive Sein. Man hat diesen Akt dem Schöpfer allein zugeschrieben und nicht bedacht, dass wir damit Leben und Sein als eine auskalkulierte Maschine ansehen, die sinnlos, mitsamt der menschlichen Psyche, nach vorbekannten und-bestimmten Regeln weiterläuft. In einer solchen trostlosen Uhrwerkphantasie gibt es kein Drama von Mensch, Welt und Gott; keinen ‚neuen Tag‘, der zu ‚neuen Ufern‘ führt, sondern nur die Öde errechneter Abläufe.“ — C.G. Jung, „Erinnerungen Träume Gedanken“.

    „From a low hill in this broad savanna of the Athi Pains – near Nairobi, Africa -, a great game preserve,
      a magnificent prospect opened out to us. To the very brink of the horizon we saw gigantic herds of animals: gazelle, antelope, gnu, zebra, warthog, and so on. Grazing, head nodding, the herds moved forward like slow rivers. There was scarcely any sound save the melancholy cry of a bird of prey. This was the stillness of the eternal beginning, the world as it had always been, in the state of NON-BEING
    [Nicht-Ich], for until then no one had been present to know that it was this world. … There I was now, the first human being to recognize that this was the world, but who did not know that in this moment he had first really created it.
    There the cosmic meaning of consciousness became clear to me. ‚What nature leaves imperfect, the art perfects,“ say the alchemists. Man, I,
    [mein Ich-Bewusstsein], in an invisible act of creation put the stamp of perfection on the world by giving it OBJECTIVE existence. This act we, Westerners, usually ascribe to our Creator-God alone, without considering that in so doing we view life as a machine calculated down to the last detail, which, along with the human psyche, runs on senselessly, obeying foreknown and predetermined rules. In such a cheerless clockwork fantasy, there is no ‚new day‘ leading to ‚new shores,‘ but only the dreariness of calculated processes.“
    C.G. Jung, MEMORIES, DREAMS, REFLECTIONS. 1961. (Von mir leicht verändert.)
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