Günter Grass würdigte Schulze als einen der „großartigen Erzähler“ der neuen Bundesländer.

Günter Grass würdigte Schulze als einen der „großartigen Erzähler“ der neuen Bundesländer.

Ingo Schulzes Buch „Adam und Evelyn“ besteht fast ausschließlich aus Dialogen,

im Film gibt es viel weniger Text, da ist sehr viel reduziert worden, gerade auch bei den dramatischen Auseinandersetzungen.
Bei den Gesprächen über die Verfilmung kam der Vorschlag, an dem Punkt aufzuhören, an dem die beiden in den Westen gehen. Warum wird denn so oft aufgehört, wenn der Westen kommt? Diese Geschichte handelt nicht nur von der DDR, sondern auch von dem Neuen, das danach kommt. Dieser undifferenzierte Blick, das Abhaken als Unrechtsstaat, hat viel Verwüstung angerichtet.
Die Akzente der Figuren im Film sind andere. Im Buch ist Adam auf den ersten Blick politischer, auch widerständiger. Im Film wird er es auf eine andere Art, ich würde sogar sagen, auf eine grundsätzlichere Art. Adam geht in der DDR nicht einer entfremdeten Arbeit nach. Es ist ja nicht so, dass man sagen könnte, vorher schlecht, danach gut – oder umgekehrt. Den Druck wegzugehen, hatte ich nie. Es war ein Wechsel von Freiheiten und Abhängigkeiten. Am Landestheater in Altenburg hatten wir 1988 einen unglaublichen Freiraum. Wir befanden uns im Zentrum einer ideologisch und geistig geführten Auseinandersetzung. Es hat mich verwundert, dass die DDR-Oberen sich so schnell und ohne Blutvergießen zur Seite schieben ließen. Als die Mauer fiel, fragte ich mich, warum rennen die jetzt alle in den Westen, lasst uns das doch erst mal hier zu Ende bringen. Plötzlich konnte man ja auch eine Zeitung machen und sich auf der Straße versammeln, ganz legal! Als Schriftsteller empfinde ich eine Verantwortung mitzumachen. Aber für eine ständige politische Auseinandersetzung muss man geboren sein! Die Literatur lebt von den Widersprüchen und der Gleichzeitigkeit verschiedener Wahrheiten. Für die Politik ist das eher ein Problem. Für das, was passiert ist, tragen in allererster Linie die Ostdeutschen die Verantwortung. Als die Mauer fiel, hatte das für mich absolut nichts mit irgendwelchen Vereinigungsgedanken zu tun: Wie sollte das gehen, mit zwei so unterschiedlichen Systemen? Viele Dinge, die damals auch im Westen kritisiert wurden, haben sich eher verfestigt, statt sie in Frage zu stellen. Warum denken Ärzte immer noch wie Geschäftsleute? Warum wurde damals nicht über eine wirklich neue Verfassung abgestimmt? Und warum kann man nicht mal darüber reden, wie sich das Recht auf Arbeit und Wohnung durchsetzen ließe, für ein von Existenzangst freies Leben? Wohnungen sollten den Gesetzen des Profits entzogen werden.

0 Shares