Die Kunstszene unter Kaiser Wilhelm II.

Die Kunstszene unter Kaiser Wilhelm II.

1892 war es im Berliner Kunstverein zu einem Eklat gekommen, als man den Maler Edvard Munch zu einer Ausstellung eingeladen hatte. Sie wurde schon einen Tag nach ihrer Eröffnung vom Direktor der Akademie der Künste, der zugleich Vorsitzender des Kunstvereins war, verboten. Elf Künstler verließen daraufhin unter Protest den Kunstverein und gründeten eine freie Künstlervereinigung unter dem Namen „Berliner Secession“. Damit hatten sie die „chinesische Mauer“ durchbrochen, durch welche die Berliner Kunst bis dahin von der internationalen Moderne getrennt gewesen war.
Die „undeutsche“ Malerei der Secessionisten erzürnte den Direktor und mit ihm Kaiser Wilhelm II. Leistikow, einer der Künstler, habe ihm „den ganzen Grunewaldsee versaut“, drückte es Wilhelm II. in seiner wie üblich vulgären Sprache aus. Die Kluft zwischen dem offiziellen Kunstverständnis Wilhelms II. und der großstädtischen, an der internationalen Moderne orientierten Kulturszene war unüberbrückbar geworden. Künstler und weite Teile der Bevölkerung konnten schon lange nichts mehr anfangen mit einem anachronistischen absolutistischen Kunstbegriff, wie ihn Wilhelm II. dekretierte: „Eine Kunst, die sich über die von Mir bezeichneten Gesetze und Schranken hinwegsetzt, ist keine Kunst mehr.“

Bild: Ernst Ludwig Kirchner, Potsdamer Platz.

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