Der Mensch lebt nicht von Brot allein.

Der Mensch lebt nicht von Brot allein.

Der Mensch lebt nicht von Brot allein. sondern zuvorderst von göttlicher Nahrung. Ein Mangel oder völliger Ausfall dieser führt trotz Überflusses dieser Nahrungsmittel zur Mager- oder Fettsucht (Anorexia nervosa oder Bulimie) und letztendlich zum Tod.
Kafka hat dies alles in dieser seiner Dichtung wahrhaftig erkannt und gestaltet und sich davon geistig befreit. Jeder echte Künstler ist ein Liebender der Wahrheit.
Der Hungerkünstler, von Franz Kafka. Speziell für Rainer gepostet, doch jedem ist das Lesen freigestellt, denn wir sind ja alle Hungerkünstler, sind uns dessen bloß mehr, weniger oder überhaupt nicht bewusst. Aber leiden, tun wir alle daran. – Roland Lukner
„Einmal fiel einem Aufseher der Käfig auf, und er frage die Diener, warum man hier diesen gut brauchbaren Käfig mit dem verfaulten Stroh drinnen unbenützt stehen lasse; niemand wusste es, bis sich einer mit Hilfe der Ziffertafel an den Hungerkünstler erinnerte. „Du hungerst noch immer?“ fragte der Aufseher. „Verzeiht mit alle“, flüsterte der Hungerkünstler. „Gewiss“, sagte der Aufseher und legte den Finger an die Stirn, um damit den Zustand des Hungerkünstlers dem Personal anzudeuten. „Immerfort wollte ich, dass ihr mein Hungern bewundert“, sagte der Hungerkünstler. „Wir bewundern es auch“, sagte der Aufseher entgegenkommend. „Ihr sollt es aber nicht bewundern“, sagte der Hungerkünstler. „Warum sollen wir es denn nicht bewundern?“ – „Weil ich hungern muss, ich kann nicht anders“, sagte der Hungerkünstler. „Und warum kannst du denn nicht anders?“ – „Weil ich,“ sagte der Hungerkünstler, hob das Köpfchen ein wenig und sprach mit wie zum Kuss gespitzten Lippen gerade in das Ohr des Aufsehers hinein, damit nichts verloren ginge, „weil ich nicht die Speise finden konnte, die mir schmeckt. Hätte ich sie gefunden, glaube mir ich hätte kein Aufsehen gemacht und mich vollgegessen wie du und alle.“ Das waren die letzten Worte, aber noch in seinen gebrochenen Augen war die feste, wenn auch nicht mehr stolze Überzeugung, dass er weiterhungre.“

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