Das Schöpferische in ritueller Kultur und der Moderne

Das Schöpferische in ritueller Kultur und der Moderne

Babylon, vor ca. 3700 Jahren gegründet, trug ursprünglich den Namen „Babilu“, die Verbindung der Wörter „bab“ – Tor oder Pforte -, und „ilu“ – Lichtstrahl. [Vgl.: russ. baba = Weib]. Der Name für die Stadt war das Symbol für das Mysterium Conjunctionis, der Ort der gesellschaftlichen Begegnung und schöpferischen Waren- und Gedankenaustausches.

Der Ritus des schöpferischen Prinzips als dialektische „unio mystica!: Der Tanz Ischtars, der Allgottheit, zur Wiedererweckung ihres Mannes und deren Vereinigung.
Um Tammuz, ihren Mann, ins Leben zurückzubringen und sich mit ihm zu vereinigen, was das Schöpferische zum Erblühen bringt, muss Ischtar durch viele Tore, an denen jedem sie ein Pfand ihrer Göttlichkeit lassen muss. Am letzten Tor angekommen, führt sie ihrem Mann mit ihrem letzten göttlichen Schleier den ihn ins Leben zurückrufenden Willkommenstanz vor, worauf sie sich vereinigen und das Schöpferische auslösen.
In unserer Zeit wirkt das Schöpferische prinzipiell ebenso, allerdings nicht rituell oder figürlich, sondern ausschließlich im geistig-gedanklichen Bereich des Logos.
Heute geht es um die Wiedererweckung ins Leben eines Menschen Geistwerkes, wie z.B. der Realisierung der Wahrheit eines Gemäldes, eines Musik- oder Theaterstückes, einer Dichtung, Skulptur oder Schriftwerks usw., letztlich also um die Heraufbeschwörung der Geist-Seele des betreffenden Menschen abgelagert im toten Objekt.

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