Oswald Spenglers Heuptwerk

Oswald Spenglers Heuptwerk

Oswald Spenglers Hauptwerk: „Der Untergang des Abendlandes“. (2 Bde., 1918-22).

Laut Spengler durchlaufen alle Kulturen jeweils einen Zyklus von Blüte, Reife und Verfall. Seine Zyklentheorie faßt er als historische Verlaufsgesetzlichkeit auf, deren Charakter als „Schicksal“ fatalistisch anerkannt werden muß. Unabänderlich sind auch die Formen von Herrschaft und Knechtschaft oder „Rasse“. Spengler sieht seine eigene Zeit in der Periode des Verfalls, die sich jeweils als Periode der „Zivilisation“ (Gegensatz: Kultur) äußert. Aufgrund des Zyklengesetzes prognostiziert Spengler den „Untergang des Abendlandes“.
Die pessimistische Kultur- und Geschichtsphilosophie seines Hauptwerkes wurde nach dem verlorenen 1. Weltkrieg und dem ihn begleitenden Zerfall bürgerliche Werte vom deutschen Bürgertum begeistert rezipiert.

Liebe

Liebe

„Die Liebe hat den langen Atem,
gütig ist die Liebe,
sie eifert nicht.
Die Liebe prahlt nicht,
sie bläht sich nicht auf,
sie ist nicht taktlos,
sie sucht nicht das ihre,
sie lässt sich nicht zum Zorn reizen,
sie rechnet das Böse nicht an,
sie freut sich nicht über das Unrecht,
sie freut sich mit an der Wahrheit.
Sie trägt alles,
sie glaubt alles,
sie hofft alles,
sie erduldet alles.
Die Liebe kommt niemals zu Fall. …
Wenn…[die Liebe] kommt, …
dann werde ich ganz erkennen,
wie ich auch ganz erkannt worden bin.
Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei.
Die größte unter ihnen aber ist die Liebe.”
— Paulus, 1. Korinther 13, 4-8, 10, 12-13.

Entstehung eines neuen Stils von Bewusstsein: Das Ichbewusstsein

Entstehung eines neuen Stils von Bewusstsein: Das Ichbewusstsein

Aus dem wirklichen, sichtbaren Goldenen Stier, in der Geschichte vom Goldenen Kalb zum Beispiel, hatte den archaischen Menschen einst ein Seinsblick angeblitzt, und dieses Angeblicktwerden aus dem konkreten Standbild heraus war das gewesen, was man eine Gotteserfahrung nennt. Die durch das Sich-Spalten-Gottes erzeugte Unterscheidung zwischen Gott und Götze machte dem ein Ende. Zwar bewirkten die Spaltteile eine Entfesselung des Seins, doch das, was das solchermaßen Losgeschnittene aus seiner Gebundenheit und potentiell in seine Absolutheit Strebende aktuell auf diese Bahn treibt, ist die Idee des Bösen. Kraft ihrer werden die zuvor arglosen Blicke des Seins scharfgemacht, die Götzen zu dem einen Satan potenziert.
Die Unterscheidung zwischen Gut und Böse brachte nicht ein höheres, differenzierteres Bewusstsein. Sie brachte vielmehr ganz eindeutig eine Reduktion der zuvor schon längst gegebenen Differenzierungen auf einen einzigen grobschlächtigen Gegensatz. Gott und Teufel sind nur Personifizierungen abstrakter Begriffe, obwohl beide eine viel reichere Vergangenheit hatten, Gott als alttestamentlicher Jahwe und Nachfahre altvorderasiatischer Stiergötter, der Teufel einerseits als der das Bewusstsein anregender, steigernder Ankläger in der himmlischen Ratsversammlung und gefallener Engel, andererseits als diejenige Gestalt – die einzige Gestalt -, in der so mancher heidnische Gott – die Götzen – in der christlichen Welt überleben konnte.
Hinsichtlich der Entwicklung des Bewusstseins bedeutet die Erfindung des Prinzips des Guten und Bösen also eine Verarmung der Differenziertheit, die Reduktion auf ein absolutes Minimum. Der Gewinn lag in einer ungeheuren Radikalisierung der Intensität, eine extremistische Zuspitzung. Das Sein wurde polarisiert und so gewissermaßen elektrifiziert, in ein äußerste Gegensatzspannung von Plus- und Minuspol versetzt. Mit der Erfindung des Bösen wurde also kein „höheres“ Bewusstsein, sondern ein gespannteres erzielt: die Erfindung eines Kraftwerks, womit das ganze Sein zur Umwandlung der Welt eingespannt wurde. Das Böse ist die Entdeckung wie der Spieß umgedreht werden kann. Darüber hinaus brachte die Erfindung des Bösen eine Einspannung der so losgelösten Seinsteile zur faktischen Entfaltung einer vorher nie dagewesenen Kraft (Willen).
Hatte sich mit der Spaltung des Seins, der Ersten Kernspaltung die Entrüstung zum Prinzip erhoben, so schwingt sich mit der Idee des Bösen der Hass zum Bestandteil des Seins auf. Das ist jetzt die Wurzel der Grundstellung zum Sein. Ursprünglich war Hass eine Reaktion auf innerweltliche Widrigkeiten. Jetzt, nachdem der Spieß umgedreht ist, tritt der Hass als Prinzip der Welt an die Stelle jenes kosmogonen Eros, der ursprünglich das die Gegensätze des Seins Zusammenhaltende war. Jetzt aber herrscht die Feindschaft über das Sein im ganzen; sie ist die leitende Perspektive, unter der Wirklichkeit erfahren wird: der Satan ist der Widersacher schlechthin, der Feind und als Feind der „Fürst der Welt“. Mit Feindschaft ist nicht bloß die absolute Unverträglichkeit gemeint, sondern mehr noch, der intensive Wille zur Schädigung und Vernichtung des jeweils anderen Pols. Der Hass wird darüber hinaus zur Lebensform des einzelnen, der als Hass auf sämtliche natürliche Bindungen das unerlässliche Fundament der Nächstenliebe ist.
Seit der Erfindung der Idee des Bösen und des Teufels ist der böse Wille möglich geworden, weil jetzt über das Bewusstsein, die archetypische Idee der Bosheit herrschen kann. Denn die Idee des Bösen ist ein Eingriff, eine einschneidende Tat, die etwas erreichen und verändern soll. Sie ist Waffe gegen den Schrecken des Seins, d.h. dagegen, dass wir angeblickt werden von den aus den wirklichen Phänomenen in uns Hereinblickenden, den Göttern, zwecks Erzeugung eines hochgespannten, terroristisch-extremistischen Zustands der Welt.
Ursprünglich leuchtete gerade auch aus einer Untat oder einem Trick der schreck-liche Blick eines Hereinblickenden, also ein der Existenz Bedeutung und Tiefe gebender „Sinn“ hervor. Jetzt aber wird alles Sinnhafte daraus extrahiert, so dass auf der anderen Seite ganz abstrakt das absolut Verfinsterte und so Hassenswerte übrigbleibt.
Die Setzung des Gegensatzes von Gut und Böse förderte nur eine einzige Form von Bewusstsein, nämlich das Ichbewusstsein, dessen Wesen im Willen und in der Machtergreifung liegt. Das so entstehende Ichbewusstsein erfährt mit seiner zynischen Abgeklärtheit und Durchtriebenheit eine ungeheure Zuspitzung gegenüber des ursprünglich anderen, nicht-ichhaften Stils von Bewusstsein.
Der Gegensatz von Gut und Böse bedeutet eine ständige Alarmbereitschaft, eine totale Mobilmachung. Die Polarisierung ist derart, dass eine ständige Gefahr herrscht. Es ist fortwährend Kriegszustand. Das Arge lauert überall und ständig, so dass höchste Wachsamkeit in den allermöglichsten Formen geboten ist. Es darf deinen Schlaf, kein Ausruhen, keine Ausgelassenheit in das Sein geben. Die Heilsgeschichte als Kriegsgeschichte. – Nach Wolfgang Giegerich, Ph.D.

Erzeugung von Gut und Böse und deren Scharfmachung im Abendland.

Erzeugung von Gut und Böse und deren Scharfmachung im Abendland.

Jung erkannte, dass der absolute Gegensatz zwischen Gut und Böse als Prinzip nicht mit der Natur gegeben ist. Gut und Böse sind sekundäre Erzeugnisse einer artifiziell gesetzten Distinktion, das heißt, einer Spaltung. Das Böse musste „erfunden“ und durch eine Dissoziation hergestellt werden. Obwohl die Aufspaltung Gottes, in „reinen“ Gott in der unsichtbaren Höhe und sichtbares Idol, sichtbarer Götze, die Spaltung Gut-Böse vorbereitet, ist sie nicht mit ihr identisch. Wenn Gott sich von seinem Bild als Stier abspaltet, dann wird hier Wirklichkeit und Wahrheit, die zwei Aspekte des Seins, geschieden. So können wir auch sagen, in der Ersten Spaltung des Seins trennen sich die Wahrheit und die Wirklichkeit Gottes.
  In der Geschichte vom Goldenen Kalb entsteht ein Gott, der „DER wahre Gott“ zu sein beansprucht. Hier wird die „Wahrheit“ in diesem zugespitzten Sinn „erstmals“ gesetzt. Nur von dieser von Gott BEANSRUCHTEN Wahrheit ist hier die Rede. Wir sehen ja gerade, dass das Ansich, das Absolute, erst aus diesem Mythos hervorgeht, von ihm gestiftet wird.
  Alle Wahrheit Gottes, d.h. die Göttlichkeit Gottes wird aus den Götterbildern herausgezogen und als purifizierte GOTTESESSENZ für sich gesetzt und absolut genommen. Gott wird so zu einem Idealbild Gottes, dem aber die überzeugende Wirklichkeit fehlt. Umgekehrt entsteht eine Wirklichkeit Gottes, der die Wahrheit Gottes vorenthalten, die Anerkennung als göttlich verweigert wird.
  Die Ungeheuerlichkeit dieses Ereignisses besteht darin, dass ursprünglich Wirklichkeit und Wahrheit selbstverständlich zusammengehörten. Das Wirkliche war auch das Wahre und das Wahre nur so wahr, wie es wirklich war. Die Situation, in welcher Wahrheit und Wirklichkeit zwar nicht das gleiche, wohl aber das Selbe sind, hat den Charakter des Scheins; es ist die Situation der mythischen und rituellen Wirklichkeit. Nichts anderes ist der Sinn von Wahrheit, als dass das, was Wahrheit hat, das und Verpflichtende, ja Zwingende und das rückhaltlos Anerkannte ist. Wir haben keine Wahl. In geistig-religiösen Dingen aber steht die Wahrheit heute auf einem ganz anderen Blatt als die Wirklichkeit.
  Mit der Unterscheidung von wahren und falschen Göttern geschieht eine fundamentale Verwirrung. Die Seinswahrheit der von sich aus in uns hereinsprechenden Namen und der hereinblickenden Blitze, wird mit der Wahrheit von UNSEREN  Aussagen vermischt. Das wirkliche Sein einerseits und unsere Anerkennung dieser Wirklichkeit als gültig und verbindlich andererseits werden getrennt. Das selbst-verständliche Zugewendetsein zu der eigenen Tiefenerfahrung wird beendet. Die von dem hereinblickenden Schein abgespaltene Anerkennung verselbständigt sich, so dass sie jetzt frei verfügbar einer Wirklichkeit zugebilligt oder vorenthalten werden kann. WIR müssen entscheiden, ob wir etwas als wahre Manifestation Gottes anerkennen wollen oder nicht, während einst umgekehrt im Angesprungenwerden von dem blitzenden Schein des Phänomens die Anerkennung seiner Macht und Wahrheit eine ursprüngliche Qualität und Eigen-schaft des Phänomens selber war. Nicht wir mussten ihm Wahrheit zusprechen, sondern die Anerkennung seiner Wahrheit kam im Vorschein des Phänomens von sich aus über uns. Götter sind ja die Hereinblickenden, der Vorschein der Tiefe aus den wirklichen Phänomenen selbst. Wenn wirklich etwas vorscheint, dann ist es als dieser Schein „wahr“, „ wahrer Gott“. Falsch können nur unsere Aussagen und Meinungen sein. Mit dem Etikett „falscher Gott“ wird aber wirklich Seienendes in der ERFAHRENEN Numinosität eines Phänomens entwertet. Hier geht es um die Unterscheidung zwischen Urteilswahrheit und der psychologischen Wahrheit, um die Möglichkeit einer wirklichen Psychologie! Denn nur wenn diese Unterscheidung getroffen ist, kann die seelische Wirklichkeit als eine eigenständige Wirklichkeit überhaupt erst ins Auge gefasst werden.
  Die Anwendung der Prädikate wahr und falsch auf Götter bedeutet so im Grunde die Zerstörung des Seelischseins der Welt, der Berührbarkeit durch die Namen und Blicke des Seins. Die Spaltprodukte wahr und falsch sind zum Machtmittel geworden, mit dem gewisse Aspekte der Wirklichkeit will-kürlich verdammt und andere abgesegnet werden können, mit dem sich also die Welt in einer ganz bestimmten Richtung manipulieren ließ, nämlich in jene Richtung, die man heute gern reichlich selbstgefällig „Fortschritt“ nennt. (Will-kürlich heißt hier nicht beliebig, sondern nach dem dem Willen innewohnenden Gesetz. Der Wille ist nicht seinerseits etwas Willkürliches. Er kann vielmehr nur wirklich und allumfassend die Herrschaft über die Weltordnung antreten, wenn das, was er will, das „moralische Gesetz“ ist. Die Unterscheidung „wahr“ und „falsch“ in bezug auf Seiendes (Götter)  bedeutet also die wesenhafte Moralisierung des Wahrheitsbegriffes.) Darin zeigt sich abermals, dass die Spaltung sich das Sein im ganzen unterworfen hat. Es ist die Erfindung der Idee, dass es falsches Seiendes gebe und dass DAS Wahre nicht das wirklich Seiende selbst sei, diese nicht sein dürfe. Mittels dieses Machtmittels ließ sich die Welt nunmehr HIERARCHISCH in das Obere und das Untere aufspalten und das Untere als das Falsche verdammen, d.h. ihm das eigentliche Wahrsein absprechen, während gleichzeitig das Obere als das Ideal oder das Wahre verselbständigt wurde, als ob es separat von der Welt ein unabhängiges Sein hätte. Es wird in die Buchstäblichkeit übersetzt.
  Was am Berg Sinai geschehen ist, das ist letzten Endes die Unterwerfung des Seins unter die Moral und damit unter das Ich, welches in der Gestalt des absoluten Gottes die Herrschaft antritt. Das besagt, dass Gott nicht mehr von IHM her verstanden wird, sondern jetzt von UNSEREN Aussagen und Meinungen her gesehen wird. Der Standpunkt, von dem aus Gott betrachtet wird, ist der des Ichs. So bestätigt sich, dass der absolute und wahre Gott WESENHAFT nur noch ein Gott von des „Menschen“ Gnaden ist.
Beim jüdisch-christlichen Weg der Befreiung von dem Schrecken, von der Numinosität, geht es um die Spaltung unseres Selber-Redens und Prädizierens, unseres Bös- und Gutredens, Preisung und Verdammung, also um eine Aufteilung der Wirklichkeit entsprechend unserem Werten. Die Prädikate, die hier den Erfahrungen zugesprochen werden, sind nur die zwei ganz inhaltsleer-wertenden Prädikate wahr und falsch. Diese zielen direkt und einzig auf den Kern der Numinosität. Hier geht es um die ABSOLUTE Befreiung von der göttlichen Kraft, mit der die Phänomene den Menschen anzuspringen pflegten – durch die Aneignung des ANSPRUCHSCHARAKTERS selber, mit dem die Namen und Blicke einst den Menschen angefallen hatten, durch den Menschen. Der Schrecken, die Numinosität wird ALS Numinosität gespalten, und zwar so, dass das Wahre unwirklich und das Wirkliche unwahr wird. Die Numinosität wird durch die Auseinanderreißung ihres Plus- und Minus-Pols (Gut und Böse) gegen sich selbst aufgehetzt. Durch die Fernung der auseinandergerissenen Pole wird die Numinosität auf einen äußersten Spannungszustand hochgeschraubt. Indem die Numinosität gegen sich selbst ausgespielt wird, wird der Mensch total frei, erlöst und kann jetzt völlig ungebunden der Natur gegenübertreten.
  Diese Freiheit erhält er aber nur dadurch, dass er sich im absoluten Gehorsam dem „wahren Gott“ als dem einzigen Prinzip unterstellt. Nur durch die totale Unterwerfung wurde er ganz, d.h. auch in praktischer Hinsicht, frei von allem Gebundensein durch das phänomenale Sosein der Welt und erhielt so selber die Macht zur Manipulation der Wirklichkeit. Es ist dies die Befreiung sowohl VON der EINNEHMENDEN WIRKUNG der Wirklichkeit, als auch die Befreiung des Erkennens selbst ZUR Tat. Sinnenhafte Phänomene DÜRFEN nicht Gott sein; Gott MUSS mehr sein als ein phänomenaler Vorschein. Damit, dass so die Welt in ihrer Wirklichkeit (ihrem Sosein)  nicht mehr schlechterdings verbindlich ist, ist erstmals eine wirklicher Ausstieg aus der phänomenalen, natürlichen Wirklichkeit vollzogen und wird der Welt quasi von oben und außen ein neues Ziel vorgeschrieben, das Ziel anders und besser zu sein, letztlich absolut zu werden. Nur das Christentum ermächtige den Menschen zum realen Zugriff auf die Welt.
  Bei den Prädikaten wahr und falsch geht es allerdings nie buchstäblich um „unser“ Segnen und Verdammen, im Sinn unseres persönlichen Wollens. Wie die Idee des Weltgerichts und der ewigen Verdammnis zeigt, handelt es sich um ein autonomes, losgelöstes Segnen oder Verdammen, für das der Mensch gebraucht wird, nämlich für die Verwerfung. Das Wollen ist nur, wenn und insofern es sich bedingungslos dem Zweck DES „Wahren“, oder dem „moralischen Gesetz“ (Kant) unterwirft.
  Das Erkennen selbst gestaltet das zu Erkennende zunächst mit eigenen affektiven Wertungen, später auch mit zupackenden Hypothesen und mit wissenschaftlicher Methodologie aktiv mit, erkennt dann nur das Präparat. Die Erkenntnis wird ermächtigt und befreit zum will-kürlichen Eingriff: zur Folterung der Natur im Experiment aufgrund der aufgestellten Hypothesen. Die Erkenntnis nimmt nun die Gestalt einer neuen Erde, einer künstlich gemachten Erde an. Das ursprüngliche Verhältnis zwischen Mensch und Natur ist damit auch buchstäblich und materiell aufgehoben, dafür aber ist das neue Verhältnis enorm verschärft. – Nach Wolfgang Giegerich, Ph.D.
[Fortsetzung folgt.]

Die Erkenntnis des Apriori, das die Existenz und Form eines Menschentums und Menschen bestimmt

Die Erkenntnis des Apriori, das die Existenz und Form eines Menschentums und Menschen bestimmt

Die christliche Erlösung war eine unerhörte, umstürzlerische Idee, denn das archaische Menschentum war in die unschuldige Form der mythologischen, natureingebundenen Seinsweise gebettet. Ein radikaler Schnitt musste geschehen, ehe die „Erfindung“ der Erlösungsbedürftigkeit des Menschen überhaupt gemacht werden konnte, der die wesenhafte Verankerung des archaisch-mythologischen Menschentums kappte. Von diesem Gewaltakt berichtet die Geschichte vom Goldenen Kalb, der Gründungstat des Abendlandes. Dies stieß dem archaischen Menschen zu. Jene Idee ist nichts Menschliches, sondern ein göttliches Geschick, sie ist das Schicksal Gottes selbst. Wenn es um grundlegende Weichenstellungen in der Geschichte oder auch in unserem persönlichen Leben geht, müssen wir uns nach den Göttern und ihrem Geschick umsehen. Darin ARTIKULIERT SICH jener Hintergrund unseres Seins, in dem die großen geschichtsmächtigen Entscheidungen fallen, welche ihrerseits den Rahmen abgeben, innerhalb von dem sich dann das Leben und Tun eines jeden geschichtlichen Menschentums abspielt, das seinerseits wiederum der Rahmen für die Existenz des Einzelnen ist.
Hiermit werden keine wie von Metaphysikern an sich seiende Götter oder wie von Theologen irgendwelche Glauben an sie propagiert, vielmehr wird sich lediglich an die Phänomenologie der tatsächlich vorkommenden Götterbilder gehalten.

Diese sind der Punkt, in dem etwas von dem verborgenen psychischen Apriori der je geschichtlich-geistigen Existenz des Menschen für uns bewusst und anschaulich wird und GESTALT annimmt. Nehmen wir davon genaue Notiz, werden wir von ihm nicht einfach nur „von hinten“ stumpf „bedingt“, sondern uns als bewusste Menschen auch „von Angesicht zu Angesicht“ auf es beziehen, d.h. eine geistige Verbindung zu ihm herstellen und pflegen können.
Eine solche ausdrücklich gepflegte Beziehung zu den verborgenen Dominanten unserer geistig-seelischen Existenz ermöglicht eigentliche Kultur, Seelenkultur (THERAPEÍA, religio, wobei religio zu verstehen ist als sorgfältiges, explizit bewusstes Beachten
[relegere] der archetypischen Dominanten, die unsere Existenz binden [religare]). Auf diese Weise wird es möglich für den Menschen, die Götter in die Hut zu nehmen und ihnen in unserer Welt und in unserem Leben ein wirkliches Dasein zu ermöglichen. – Nach Wolfgang Giegerich

Wie dem Weltgeist, der fürchterlichen Liebe Gottes, entkommen?

Wie dem Weltgeist, der fürchterlichen Liebe Gottes, entkommen?

Wie dem Weltgeist, der fürchterlichen Liebe Gottes entkommen?
Den Völkern und den Menschen geschah in der Weltgeschichte immer das, was sie waren. Nicht indem wir die Geschichte als ein blindes ungeschichtliches Geschehen auffassen, in der eine Spur von Vernunft zu finden ist, sondern indem wir die Vernunft auch im Verbrechen der Weltgeschichte denken, treten wir aus der Weltgeschichte heraus. Die Hegelsche Philosophie wird uns weiterhin zeigen, dass das nicht billiger zu haben ist und das der philosophische Schwachsinn unserer Zeit DIE GEFAHR SCHLECHTHIN unserer Zeit ist. Die Nationen sind immer noch in ihr Interesse „vertieft“. Ihre Konzentration in sich selbst ist codem actu das Anziehen des Geistes als wirkliche Welt. Die Geschichte ist ein einziger Beleg für die Wahrheit der Stelle bei Hegel, an der er die Superlative, die er dem Staat als Staat gegeben hat, wieder zurücknimmt. Die Vertiefung in ihre eigenen Interessen macht die Nationen zu bewusstlosen Werkzeugen des Weltgeistes. Dass die Menschen darin AKZIDENTIEN sind, ist ihr eigenes Tun. Es ist so ihr eigenes freies Tun, wie nur ein freier Wille sein kann. Am Ende des 2. Weltkrieges erzählten sich Soldaten den „Witz“, Hitler sei vor Stalin getreten und habe gemeldet: „Befehl ausgeführt.“ Diese Figuren arbeiteten sich nicht nur bei der Aufteilung Polens in die Hände, sondern während des ganzen Krieges. Wenn Churchill – auf anderer Ebene – es für richtig hielt, das deutsche Volk bis zur bedingungslosen Kapitulation zu bekämpfen, wenn aus diesen und anderen Gründen jede echte Opposition gegen Hitler ignoriert, ja mit Hohn und Spott übergossen wurde, so war diese Vertiefung in die eigenen Interessen das Sich-zum-Werkzeug-des-Weltgeistes-Machen. Indem man den anderen nicht als Zweck, sondern als Mittel gebraucht, macht man sich selbst zum Mittel des Geistes feindlicher Welt. Der Wille Gottes geschieht immer. Ob er in der Form des Weltgeistes oder des absoluten Weltgeistes geschieht, das ist in unsere Freiheit gestellt. Die Musik Bachs in der Matthäuspassion weiß etwas von dem Schrecken, in solchen Texten wie:

„Was mein Gott will, das g’scheh allzeit,
Sein Will der ist der beste“

Bei uns Menschen liegt, die wir durch den Weltgeist vom absoluten Geist entfremdet sind. Die Geschichtskonzeption, nach der für alle Menschen immer das geschieht, was für sie das beste ist, erscheint uns mit Notwendigkeit so lange „unvernünftig“, wenn nicht geradezu verbrecherisch, als wir noch weltgeschichtlich existieren. Solange das unser in Freiheit beibehaltener Bewusstseinsstand ist, unsere gesellschaftliche Wirklichkeit, dürfen wir nicht erwarten, dass Gott uns die Weltgeschichte erlassen würde. – Nach Bruno Liebrucks, Sprache und Bewusstsein, Vol.3. Frankfurt a.M., 1966.

 

Die geistig-psychologische Krise Europas.

Die geistig-psychologische Krise Europas.

Keith Critchlow, britischer Gelehrter und Kenner islamischer Kunst und asiatischer Kulturen, und selbst ein Künstler und Bildhauer, wurde einst von buddhistischen Mönchen der Auftrag gegeben, eine Buddha-Figur zu bilden.
Nachdem Critchlow eine Zeit daran gearbeitet hatte – er war noch nicht ganz fertig damit -,
  kamen die Mönche vorbei, um zu sehen, wie weit er mit der Arbeit vorangekommen war. Dabei stellten sie fest, dass er viel Aufmerksamkeit auf die Ausführung der Buddha-Gestalt selbst gelegt hatte, nicht aber so viel auf die die Figur umgebende Aura. Doch Mönche, genau auf diese weisend, sprachen zu ihm: „DAS ist Buddha, nicht die von der Aura erzeugende Verkörperlichung Buddhas.“ Belehrt von den Mönchen, dass die Aura das Primäre und der von ihre erschaffende und erhaltende Körper das Sekundäre ist, konnte Critchlow ihren Auftrag erfolgreich vollenden.
Dr. C.G. Jung unterschied in Hinsicht auf die Psyche beim christlichen Abendländer zwischen der Persönlichkeit Nr. 1 und der Persönlichkeit Nr. 2. Die letztere ist beim Europäer die Bestimmende, zu der aber die Persönlichkeit Nr. 1 mit dem Rücken steht („Rückständigkeit“), und sich deshalb dessen unbewusst ist, was jene mit ihm, dem Ich, treibt. An dieser Asymmetrie erkannte Dr. Jung die Ursache der Problematik und die Krise der europäischen, sich global ausbreitenden Entwicklung.

EIN SELBSTGESPRÄCH ÜBER SINN UND UNSINN DES GELDMACHENS.

EIN SELBSTGESPRÄCH ÜBER SINN UND UNSINN DES GELDMACHENS.

Ich: Franz Löher schreibt in „Die deutschen Auswanderer der gebildeten Stände in Nord-Amerika“ (1853): „Der heiße Geschäftsdrang, das unaufhörliche Marktgewühl wird widerwärtig; die nackte, rohe Selbstsucht in der Politik, die grandiose Heuchelei im religiösen Leben tritt hervor; man empfindet das Unfreudige und streng Einförmige und Einseitige des amerikanischen Charakters; man merkt den Mangel tieferen geistigen Lebens, die Seltenheit wahrer Bildung bei aller äußeren Politur.“ Was denkst du über Löhers Analyse des amerikanischen nationalen Charakters? Alter-Ich: Die Analyse wäre auf die heutige Zeit sogar nahtlos übertragbar und würde genau den Zeitgeist beschreiben. Ich: Es geht wohl primär ums Hinaufklettern auf der ungeistigen, rein materiellen sozio-ökonomischen Leiter, die ja oben offen ist, nicht wahr? Wobei es auch darum geht, das so schnell wie möglich zu verwirklichen. Die Leute glauben, dass das alle so wollen und man um den einen Preis da oben gegeneinander konkurrieren, kämpfen muss, wie immer man sich das vorstellt. Oder ist da noch etwas anderes? Vielleicht der Calvinistische Glaube, dass Reichtum einen vor Gott auszeichnet und man dadurch zum ewigen Leben auserwählt worden ist? Die es nicht schaffen sind minderwertig vor Gott. Da ist halt nichts zu machen. Sich für diese Inferiore einzusetzen, macht für sie nach Calvin keinen Sinn. Der Zweck heiligt das Mittel. Oder? Alter-Ich: Wenn dieser Text schon damals sehr passend das Zeitempfinden beschrieben hat und sich bis heute es eher noch deutlicher darstellt, bedeutet es dies nicht auch, dass Amerika, welches diese Kräfte verkörpert, nicht auch bestimmend abstrahlend die ganze Welt erfasst hat und es nicht schon immer so war? Ich: Auf jeden Fall in der Moderne, nicht wahr? Gehört Calvin nicht auch bereits zur Moderne, die mit der „Entdeckung“ der Neuen Welt mit der Neuzeit losging? War die Gewalt und Macht für das Christentum durch den gewalttätigen Monotheismus nicht von eh und je vorgegeben? Alter-Ich: Merkwürdig wie es Stammeshäuptlinge und ihre Medizinmänner geschafft haben, ihre Gruppen immer vor den eigenen Karren zu spannen und es sehr wenigen um das Volk an sich ging. (Wohl deswegen, weil sie noch Zugang zu ihren Stammesahnen hatten, an deren Weisungen sie sich ihres Bestandes wegen zu halten hatten.) An einem anderen Beispiel aus der jüngsten Zeit, jetzt aber einer ausschließlich vom Ich bestimmten, habe ich es auch bemerkt, dass es immer irgendwie gelingt, das Volk an der Nase herumzuführen, um eigene Zwecke zu verfolgen. Zum Beispiel, Musikfestspiele, die plötzlich in der DDR nach der Wende von 1989 wie Pilze aus den Böden schossen. Da sind in Mecklenburg-Vorpommern irgendwelche Gutsherren zurück auf ihr Land und haben dann hochkarätige Leute mittels ihrer Börse für Musiken in einer Scheune herbei geholt – da ging es nicht um Musik – da ließen sie sich und ihre Exklusivität feiern. Sie haben es in die Neue Welt schon mitgebracht – wie eine Infektion. Woher kam all das viele Geld und woher kamen all die gepreßten Soldaten und wie wurde es ihnen schmackhaft gemacht, sich ein Gelobtes Land zu suchen, wie Moses und sein Volk? Ich: Das erinnert mich sehr an den Streich, den Till zusammen mit einem Seminaristen im Lande Pommern als Wanderprediger mit dem Totenkopf des Sankt Brandan als Reliquie vollbrachte und steinreich wurde. (31.Historie.) Das war schon in der Neuzeit. – Ich glaube es geht in dem Ganzen um mehr als bloß das Geld. Was könnte es bloß sein? Alter-Ich: Es geht um Werteausgleich, Gerechtigkeit. Wie Energiemengen, die immer gleich bleiben, ausgeglichen werden müssen und nach Harmonie streben. Ich: Welche Rolle spielt das menschliche Bewusstsein in all dem? Was ist das Wesen des Tricksters? Alter-Ich: Das mag zuerst mit dem Geld gelungen sein, doch da es eine Erfindung und abstrakt ist, also nicht natürlich, konnte getrickst werden, mit Geisterchen, die nicht so schnell oder die nicht so reich gesegnet waren oder was auch immer. Einem Kind kann man viel erzählen, es glaubt Erwachsenen in einem gewissen Alter noch alles. Ich: Was stellt das Tricksterhafte dar? Was bewirkt es? Alter-Ich: Beziehungen; soziale Bindungen und Normen spielen eine Rolle, wie sich das Individuum zunächst auf die Welt bezieht, bis es aus den Fehlern lernt. Das kann aus Mißverständnissen geboren worden sein, oder aus Mangelentwicklungen; siehe kriminelle Energien. Ich: Bringt der Trickster nicht Bewegung in das Status-quo-Bewusstsein? Alter-Ich: Ja. Weil sich alles in Bewegung setzt, wenn der Ausgleich auf sich warten läßt. Ja! Und wenn der Ausgleich stattfand, das nächste Bedürfnis nach sich zog. Ich: Es geht also nicht um die Anhäufung des Geldes an sich, des Kapitals, sondern um die Fortbestimmung des Bewusstseins! Welch ein Missverständnis! – Damit wäre die Nuss geknackt, nicht wahr? Alter-Ich: Richtig! Das eigentliche Kapital ist der Geist, mit dem der Mensch ausgestattet ist. Heureka! Ich: Genau das ist es! Die Geistes- bzw. die Bewusstseinsentwicklung ist das eigentliche Kapital des Menschen, nicht letztlich das Geld. Siehe da! Der historische, „tote“ Trickster in der Gestalt des Till Eulenspiegels, den meine Liebeszuwendung berührte, zeigt sich und lässt grüßen! Alter-Ich: Die Welt wäre so reich!! Soviel Kapital liegt brach und versandet in den Epochen und bringt sich gar um das Leben selbst. Ich: Das ist die Wirkung der Fortbestimmung im Bewusstsein der Liebe. Ihr eröffnet sich die Wahrheit, und die Wahrheit macht geistig frei! Nur die Wahrheit befreit den Geist. Alter-Ich: Das war ein Gedanke des Kommunismus. Die Maschinen entlasten den Menschen um die Sorge der täglichen Aufwartung und die Menschen können sich dem zuwenden, was ihnen als geeignet erscheint, sich und ihre Persönlichkeit zum Wohle des Ganzen zu entwickeln. Wirtschaftlich wäre es jetzt soweit – doch die Liebe droht auf der Strecke zu bleiben. Die das Geld verwalten, lieben nicht die Menschheit; sie könnten es, wenn sie nicht vom Geld selbst besessen wären. Ich: Allerdings! Auf diese Weise brächte die Entwicklung der Geschichte einen Fortschritt – nicht der Liebe, sondern im Bewusstsein der Liebe, wie auch im Bewusstsein der geistigen Freiheit. Es ist ein Fortschritt nicht positiver, also materiell-geldlicher, nicht ontologischer Natur, sondern ein rein psycho-LOGISCHER, sich in uns erinnernder.

Dr, Daniele Ganser, Historiker und Friedensforscher

Dr, Daniele Ganser, Historiker und Friedensforscher

Dr. Daniele Ganser, Historiker und Friedensforscher, Swiss Institute for Peace und Energy Research. www.siper.ch

(Mein Auszug aus dem Gespräch mit KenFM.de.) Wikipedia (WP) gibt es seit etwa 2001. Dort kann man sehen, dass es verschiedene Artikel gibt. Wenn man, z.B., nicht weiß, wo Paris liegt, kann man auf WP gehen und sehen: Paris liegt in Frankreich. Da ist WP unbestritten. – In sie reicht auch die Kriegspropaganda hinein. Man sieht das am besten an den Terroranschlägen im Jahre 2001. Darüber tobt ein sogenannter „edit-war“: ein Kampf verschiedener Autoren, die in WP reinschreiben wollen. Doch die verschiedenen Hierarchien in WP entscheiden, was da aufgepostet wird und was wieder rauskommt. Diese WP Hierarchie ist ein Machtstruktur, die einer Pyramide gleicht: unten sind die normalen User bei WP, etwa 90%, die z.B. wissen wollen, wo Paris liegt.

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Dietmars Aufsatz

Dietmars Aufsatz

Einer meiner Kindheitsträume war es gewesen, nach Amerika zu reisen, die großen Städte, die Musik, die Indianer, die wundervollen Naturerscheinungen und die ganze unendlich scheinende Weite zu erleben, obwohl ich schon recht gut begriff, daß mein Heimatland von einer unumstößlich scheinenden Mauer umgeben war. Als sich die Geschichte dann aber entgegen vieler Vermutungen verselbständigte, da konnte dann doch dieser Traum wahr werden, und es war an mir, nun herauszufinden, inwieweit sich nun Realität und Vorstellung—und unverfälschte Wirklichkeit und ideologisch zubereitetes Wissen glichen. Ich wollte flüchten vor den politischen Übersättigungen in der damaligen DDR, bedingt durch die Veränderungen, ich wollte etwas ganz Neues sehen, und ich wollte lernen, sehr viel lernen über das politische System Demokratie und das wirtschaftliche System Kapitalismus. Ich wollte wissen, ob der Kapitalismus nun eine Alternative war und uns in der DDR nur zu Unrecht so verabscheuungswürdig dargestellt wurde. Continue reading