Der Mensch kommt in der Moderne weder mit der Geburt noch durch Lernen, auch nicht durch „Entwicklung“ zur Welt, weil psychologisch die Welt für die Seele in zwei unvereinbare Extreme auseinandergefallen ist. Damit hat sich für das Bewusstsein eine Verlagerung des Orts der Wahrheit hin zu dem stattgefunden, was nur eine herausgefällte „Hälfte“ ist. Wir leben heute in einer psychologisch dissoziierten Welt.
Der neuzeitliche Mensch verdankt jetzt sein zur Welt Kommen der psychologischen Wahrheit, eines Mehrwerts – von der Seele unter Mitwirkung des Menschen schöpferisch erzeugt – durch den sich die Menschwerdung des Menschen ereignet, religiös gesprochen seine Wiedergeburt.
Das besagt, dass es sich nicht um die Auffindung und Gewinnung von etwas schon, wenn auch zunächst nur verborgen, Vorhandenem handelt, sondern um etwas ganz und gar Neues, das in der „Natur“ nicht vorkommt. Es ist „künstlich“, reiner Überfluss über das Natürliche hinaus, gewissermaßen ein unnützes „Nichts“, weil es nichts positiv in der Natur des Menschen Vorfindliches ist. Aber diesem „Nichts“ verdankt der Mensch in unserer Zeit seine Menschwerdung
Dieses „Nichts“, durch den sich überhaupt erst die Menschwerdung ereignet, erfolgt nur immanent, nicht empirisch, in der Weise der Er-innerung, nur innerhalb seiner realen Menschlichkeit in ihre eigene innere Tiefe hinein. Dabei geht es wohlgemerkt nicht um eine Erinnerung in oder an etwas längst Gegebenes, das nur zunächst unbewusst oder vergessen gewesen wäre.

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