Abenteuer eines nicht genannten Herrn in einer Berliner Zeitung 1781

Abenteuer eines nicht genannten Herrn in einer Berliner Zeitung 1781

Die Abenteuer des Freiherrn von Münchhausen.

1781 erschienen in einer Berliner Zeitschrift unter dem Titel „M-hs-nsche Geschichten“ anonym sechzehn angenehme Scherze und witzige Einfälle: zwei Jahre später folgten noch zwei Münchhausen-Historien. Diese Erzählungen bilden den Grundstock des später als „Münchhausen“ weltberühmt gewordenen Buches. Man vermutet, dass ein gewisser Professor Raspe der Autor dieser Historien ist.
Rudolf Erich Raspe, geboren 1737 in Hannover, von adliger Abkunft, war ein ruheloser Geist. Eine gewisse Verschwendungslust und manches Missgeschick ließen ihn immer tiefer in Schulden geraten, er entwendete und verkaufte eine große Zahl wertvoller Goldmünzen aus der ihm anvertrauten Sammlung. Man entdeckte sein Vergehen, aber es gelang ihm, nach England zu fliehen. Er war aber ein glänzendes Talent, sodass ihn die Royal Society 1769 zu ihrem Mitglied ernannte, 1775 aber, nach Bekanntwerden seiner Vergehen, ausstieß. Dennoch erwarb sich Raspe in England neuen Ruhm. Raspe wäre heute wohl vergessen, wenn man nicht herausgefunden hätte, dass niemand anders als er der Verfasser eines unter dem Titel „Baron Munchausen’s Narrative of his marvellous travels and campaigns in Russia“ 1786 in Oxford anonym erschienenen Buches war, das bis 1789 nicht weniger als sieben zum Teil erweiterte Auflagen in England erzielte. In der dritten Ausgabe, fälschlich als „Second Edition“ bezeichnet, sind die russischen Landabenteuer durch fünf phantastische Seeabenteuer, für die vielleicht schon nicht mehr Raspe verantwortlich ist, ergänzt; sie bilden den zweiten Teil des Buches und spekulieren wohl wiederum auf das besondere Interesse der Engländer; fast alle späteren Ausgaben vermehren die Seeabenteuer. Die deutsche Übersetzung und Erweiterung durch Gottfried August Bürger, die schon 1786 herauskam, ebenfalls anonym, hält sich an diese Zweiteilung. Raspes Buch traf nicht nur den englischen Geschmack, sondern den Zeitgeschmack überhaupt. Der „Münchhausen“ ist noch heute weltweit beliebt; er kam einem Bedürfnis der Epoche der Moderne entgegen.
Auch Gottfried August Bürgers Münchhausen entsprach dem Lesergeschmack, sodass man sein Werk mit Recht ein Volksbuch genannt hat, das im 19. und 20. Jahrhundert neben den alten Volksbüchern von Eulenspiegel und von den Schildbürgern steht. Bürger fügte dem ersten und wichtigsten Teil des „Münchhausen“ 1786 sechs und 1788 dazu noch sieben neue Geschichten ein.
Was wissen wir vom Freiherrn von Münchhausen selbst? Recht viel. Diese Geschichten haben ihm Weltruhm verschafft. Eine ganze Gattung von Erzählungen trägt seine Namen: Münchhausiaden. Allerdings erfolgte die Publikation ohne sein Zutun und ohne sein Wissen und freute ihn nicht, sondern verdross ihn.
Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen war ein hannoveranischer Landedelmann des 18. Jahrhunderts. Leben und Wirken des Gutsherrn Hieronymus von Münchhausen war den Erzählungen angemessen, die seinen Namen tragen. Er wurde am 10. Mai 1720 auf dem Münchhausenschen Stammgut zu Bodenwerder an der Weser geboren. Er nahm an Kriegsfahrten in russischen Diensten teil und betätigte sich als Jäger und Geschichtenerzähler. Er machte vermutlich 1740/41 zwei Türkenfeldzüge mit. Mit dreißig Jahren zog er sich 1750 auf sein Stammgut in Bodenwerder zurück und führte von nun an das Leben eines Edelmannes mit seinen Freunden, Hunden, Pferden und Jagden. Man versichert, dass an den halbjährigen Zusammenkünften jedes Gespräch aufhörte, wenn Hieronymus zu erzählen begann. Münchhausen muss ein witziger Kopf und begabter Erzähler gewesen sein.

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